Finanzielle Risiken beim "Bürgerwindpark"
Die Promotoren der Windenergieanlagen versuchen die Leute mit Schlagworten wie «grüne Energie» oder «regionale Wertschöpfung» zu ködern. Was auf den ersten Blick attraktiv erscheint, birgt erhebliche finanzielle Gefahren.
Die millionenschweren Förderbeiträge des Bundes streicht in erster Linie die Projektierungsfirma ein. Das Risiko und die Lasten aber tragen schlussendlich die Gemeinde und ihre Bürgerinnen und Bürger.
Fehlende Mitsprache
Für einen sogenannten «Bürgerwindpark» fehlt hierzulande die Erfahrung. In der kleinräumigen Schweiz, die nicht als Windland gilt, gibt es keine belastbaren Daten zur Wirtschaftlichkeit solcher Projekte. So bleiben auch im Fall des Windparks "Lindechwald-Kohlholz" wichtige Fragen zur Finanzierung, zur langfristigen Rentabilität und zur Rolle der lokalen Betreibergesellschaft unbeantwortet.
Die Windenergie Schweiz AG (WES AG ) – ein privatwirtschaftlicher Generalunternehmer unter deutsch-französischer Kontrolle – plant und realisiert den Windpark eigenständig, ohne Aufsicht der Gemeinde Kirchlindach. Die Gefahr: Die finanziellen Weichen dürften bei Gründung einer "Windpark Kirchlindach AG" längst gestellt sein; statt echter Beteiligung kommt den lokalen Anlegern eine Nebenrolle zu.
Interessenkonflikte vorprogrammiert
Bei den meisten bereits bestehenden «Bürgerwindparks» decken die Investitionen der Menschen in den Standortgemeinden nur einen Bruchteil der Gesamtinvestitionssumme, entsprechend gering ist die Mitsprache. So dürfte es auch in Kirchlindach aussehen: Selbst wenn die Bevölkerung Anteile ab 1’000 Franken erwerben kann, bleibt der Einfluss beschränkt.
Die gesamte Investitionssumme liegt bei 45–55 Mio. Franken. Doch öffentliche Fördergelder aus dem Fonds für erneuerbare Energien (bis zu 60 % der Investition) werden zunächst und in erster Linie in den Taschen der Projektentwickler landen.
Kommt hinzu: Oft wird ein hoher Anteil des «Windparks» durch Bankkredite finanziert, was das Risiko erhöht, wenn es schlechter läuft. Wenn der Windpark weniger Strom produziert als erwartet, der Strompreis sinkt oder die fest eingeplanten Vergütungen reduziert werden, sinken die Ausschüttungen an die Anleger, da vorrangig Zinsen und Darlehen in unveränderter Höhe zu bedienen sind.
Interessenkonflikte zwischen Entwicklern, Betreiberin und Anlegern sind vorprogrammiert.
Undurchsichtige Prognosen
Untersuchungen aus Deutschland, etwa von der Stiftung Warentest (16.10.2018), haben ergeben, dass sich die meisten Bürgerwindparks von vornherein wenig transparent zeigten. Bei den Prognosen für Windertrag und Rendite ist man auf die Angaben der Projektentwickler und der Turbinenhersteller angewiesen – eine wirklich unabhängige Betrachtung fehlt.
Was klar ist: Windenergieanlagen sind nur bei häufigem und ausreichend starkem Wind rentabel – das ist im «Lindechwald-Kohlholz» fraglich.
Ausserhalb der Windpotenzialgebiete
Das Gebiet weist erfahrungsgemäss nur sehr schwankende Windverhältnisse auf. Es befindet zwar im regionalen Richtplan Windenergie (Kanton Bern 2016), es ist jedoch in keinem Windpotenzialgebiet des Bundes aufgeführt. Der Windatlas Schweiz (BFE 2020) weist als Windpotenzialgebiete Flächen aus, wo hohe Windenergieerträge zu erwarten sind. Kirchlindach, der Schüpberg oder Diemerswil gehören nicht dazu.
Grafik: Windpotenzialgebiete in der Region Bern (blau eingefärbt) gemäss Windatlas Schweiz (BFE 2020). Der geplante Windpark im "Lindechwald-Kohlholz" oberhalb Kirchlindach befindet sich offenkundig ausserhalb davon.
Rentabilität fraglich
Bei den Windmessungen soll man auf die WES AG und die Auswertung durch eine externe Beratungsfirma vertrauen, die Rohdaten werden (Stand heute) nicht öffentlich zugänglich sein.
Zusätzlich entstehen Folgekosten für ökologische Ausgleichsmassnahmen sowie für den Rückbau der Anlagen nach Ablauf ihrer Lebensdauer. Wer diese letztlich tragen muss, ist offen – ebenso, wer für Schäden (etwa durch Brand, Umweltverschmutzung, Unfälle) haftet.
Stiftung Warentest weist auf zahlreiche Risiken von Bürgerwindparks hin, darunter:
- Schwankende Windausbeute
- Abschaltungen wegen Umwelt- und Artenschutz, Wetter oder Netzüberlastung
- Technische Probleme, Wartungskosten
- Unklare rechtliche und finanzielle Folgen beim Rückbau (Entsorgung, Renaturierung)
- Langfristige Kapitalbindung und sinkende Strompreise
- Unklare Haftungsfragen
Eine Auswertung der NZZ hat aufgezeigt, wie schlecht viele Windenergieanlagen in Deutschland, vor allem im Süden des Landes, ausgelastet sind. Überlebensfähig seien viele Anlagen nur dank des deutschen Fördersystems, das auch schlechte Standorte belohne (Windkraft in Deutschland, Grosse Versprechen, kleine Erträge, NZZ 07.11.2022).
Eine Studie im Auftrag des Kantons Zürich (Basler & Hofmann, 06.05.2024, S. 15 und S. 23) hält fest, dass Beteiligungen an Windparks aufgrund höherer Ertragsschwankungen risikoreicher sind als etwa Investitionen in Immobilien oder PV-Anlagen. Bei Eigenkapitalbeteiligung tragen Bürgerinnen und Bürger im Fall der Insolvenz das volle Verlustrisiko.
Fazit
Beim Start eines neuen Windparks gibt es keine belastbaren Daten zu Ertrag und Rendite – man ist auf Prognosen der Projektierungsfirma angewiesen, die sich als falsch erweisen können.
Fazit der Untersuchungen von Stiftung Warentest: Privatanleger erhoffen sich Rendite und eine nachhaltige Investition. Doch die Realität ist oft ernüchternd. Im schlimmsten Fall bleibt die Gemeinde auf einem überteuerten Windpark sitzen, der wegen geringer Windstärke und unregelmässiger Erträge nie rentabel wird.
Werden Sie aktiv
Engagieren Sie sich mit uns gegen die geplanten Windenergieanlagen im "Lindechwald-Kohlholz".